Wenn ich nicht rede – hörst du nicht

Warum es meist an uns liegt, wenn Kinder und Hunde „nicht hören“

Es kennt wohl jeder von uns: jemand trödelt und wir wollten eigentlich schon längst los sein. Wir schauen auf die Uhr und plötzlich hängen wir in diesem Teufelskreis aus Hektik, Motzerei und noch vehementerem Getrödel. Und zwar egal ob mit Kind oder Hund (oder Frau J). Ich bin ehrlich: in solchen Momenten mag ich mein nörgelndes Ich selbst nicht.

Folgende Situationen beobachte ich überall, bei uns, bei anderen, und es ist wirklich schwer, dabei gelassen zu bleiben.

Situation KIND
Kochen braucht die ganze Aufmerksamkeit…

Die Eltern haben es eilig und das Kind trödelt im Kiga beim Anziehen, auf dem Spielplatz, auf der Strasse, ach, eigentlich überall. Die Eltern werden immer ungeduldiger und die Sprache wird ruppiger. „Jetzt iss halt endlich fertig.“. Wir müssen wirklich los.“. „Wir kommen zu spät.“. Das Ende des Lieds, das Kind trödelt gefühlt noch mehr, macht die Ohren zu und man kommt erstens wirklich zu spät und zweitens auch noch übel gelaunt dort an. Und damit sind die nächsten Stunden eigentlich schon gelaufen.

Situation HUND
Nacktschnecken scheinen sehr interessant zu riechen…

Man geht mit dem Hund raus zur morgendlichen Gassirunde und der Hund schnüffelt und schnüffelt und schnüffelt. „Jetzt komm endlich.“. Leinenzug. „Auf geht’s jetzt!“. Und auch hier das Ende des Lieds, unser Hund hängt nur noch in der Leine und muss noch viel vehementer Schnüffeln.

 

Und wer ist schuld?

Jetzt lehne ich mich mal aus dem Fenster und sage, das ist gar nicht deren Schuld. Wir sind schuld an der Trödelei und den tauben Ohren. Denn wir haben eigentlich gar nicht richtig geredet. Oder nur über deren Köpfe hinweg. Wir haben wahrscheinlich noch nicht mal geschaut und abgewartet, ob unsere Worte überhaupt angekommen sind. Und höchstwahrscheinlich sind sie das auch nicht. Denn es gibt Situationen, da KÖNNEN weder Kinder noch Hunde hören. Nämlich dann, wenn sie gerade mit etwas Anderem beschäftigt sind. Essen zum Beispiel. Spielen. Beim Händewaschen zusehen, wie der Schaum durch den Abfluss verschwindet. Auf der Straße am Seitenrand Steine entdecken. Schnüffeln. Löcher buddeln.

Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer, sich beim Gegenüber Gehör zu verschaffen. Das hab ich damals schon von meiner Hundelehrerin gesagt bekommen und bei meiner Wirbelwindtochter trifft es auch zu 100% zu. Die Lösung ist: in Dialog treten!

Und wie?

Schauen wir uns mal Situation HUND an. Wenn unser Wuschelhund mal wieder in der Leine hängt und schnüffelt und nicht hört, dann gehe ich zu ihm. (An der Leine wird nicht gezogen. Punkt. Aber dazu später mehr.) Wenn ich dann neben ihm stehe und freundlich seinen Namen sage, dann schaut er zu 70% zu mir hoch. Und wenn nicht, dann mache ich noch einen Schritt näher und wiederhole seinen Namen. Immernoch freundlich, aber gerne etwas lauter. Wenn er mich dann anschaut, dann sind wir im Dialog und ich kann ihm sagen, was ich will. Ich gebe zum Beispiel Handzeichen und sage „weiter“. Ein kleines Wort, dass, wenn man es gut übt, einem in so vielen Situationen helfen kann.

Und in der Situation KIND? Tja, ratet mal, auch hier gehe ich einfach zu meinem Kind hin. Sage seinen Namen. Berühre es an der Schulter. Und dann WARTE ich. Bis mich mein Kind anschaut. Jetzt sind wir im Dialog, wir können reden. Ich kann sagen, was ich möchte und auch (vor allem!) wieso ich das möchte. Und dann WARTE ich, bis mein Kind meine Worte verarbeitet hat. Ich lasse ihm ein paar Sekunden Zeit die es braucht, und meist muss ich dann nichts mehr sagen. Und wenn doch, dann weil Rückfragen kommen. Wir reden miteinander. Manchmal bringt meine Wirbelwindtochter dann Vorschläge, auf die ich nie gekommen wäre.

Deshalb hier meine goldene 5er-Kette, wenn Kinder und Hunde mal wieder „nicht hören“:

HINGEHEN – ANSPRECHEN – AUF BLICKKONTAKT WARTEN – SPRECHEN – WARTEN, BIS ES ANGEKOMMEN IST

Klingt einfach? Klingt banal? Ist oft schwerer, als man glaubt. Aber auch effektiver, als mancher ungeduldiger Nörgelfan glauben möchte 🙂

Und was, wenn das Kind einen dann gehört hat, aber findet, dass seine Wünsche gerade dringender sind? Tja, auch das ist in Ordnung. Dann liegr es an mir, abzuwägen. Wieso, wie und warum? Darüber schreibe ich im zweiten Teil…

 

Herzlichst, eure Bianca