Über mich – und diesen Blog

Die wichtigen Fragen zuerst:

Was macht diese Frau da eigentlich? Wieso stellt sie das öffentlich? Ist das dieses neue AP-Ding? Unerzogen? Gewaltfreie Erziehung? Oder gleich Erziehung ist Gewalt? Alpha-Wölfe gibt es nicht? Was soll der Mist?

Über mich

Dann mal ein herzliches „Hallo“. Ich heiße Bianca und bin Mama von zwei tollen Kindern, einem Wirbelwind-Mädchen im Kindergartenalter und einem kleinen Babysohn, die Frau eines tollen Mannes und Frauchen des besten Wuschelhundes, den es gibt. Wir leben in einem kleinen alten Häuschen mit weißer Veranda und Wildwuchsgarten, den wir uns mit unseren Hühnern teilen (wenn die mal wieder aus ihrem Freilauf ausgebrochen sind).
Mein Hund, den ich vor einigen Jahren eher spontan aus dem Tierheim geholt habe, weil er mich ausgesucht hat, hat mein Leben verändert. Für ihn habe ich den Job getauscht und habe mich in das Thema artgerechte Hundehaltung eingelesen – nichts ahnend, dass sich diese Idee bald durch mein ganzes Leben ziehen würde. Denn ehrlich gesagt hat sich mit der Geburt unserer Tochter ganz selbstverständlich der Artgerecht-Begriff speziesübergreifend ausgebreitet.

Sprachliche Spitzfindigkeiten

Ich mag Sprache. Man kann damit ganze Welten erschaffen – und einen riesigen Streit vom Zaun brechen. Das, woran ich glaube, und das, was ich versuche nach außen zu tragen, hat – vor allem im Kinderbereich – verschiedene Namen. Attachment Parenting, bindungsorientierte Elternschaft, Unerzogen, Artgerecht. Alles geht in die gleiche Richtung, und doch gibt es Unterschiede.

Deshalb fange ich also mal an mit den sprachlichen Spitzfindigkeiten. Geplänkel am Anfang kann ja jeder, ich geh gleich mal ans Eingemachte. Und vielleicht geht ja der ein oder andere gleich mit?

Unerzogen
Das Wort an sich mag ich persönlich nicht, es ist zu negativ behaftet und wird auch viel zu leicht mit „ungezogen“ oder „antiautoritär“ verwechselt. Außerdem gehört zu Unerzogen auch die Definition von Erziehung = Gewalt. Und man kann niemanden auf seine Seite ziehen, wenn man ihm vorwirft, er wäre gewalttätig gegenüber seinem Kind (oder Hund). Im Normalfall liebt nämlich jeder seine Kinder (und Hunde).
Und da wir Menschen ziemliche Gewohnheitstiere sind und das Reflektieren der eigenen Handlungen schon sauschwer und oft auch noch unangenehm ist, machen es viele einfach so, wie sie es selbst erlebt haben. Und natürlich liebt der Großteil der Erwachsenen seine Eltern (mehr oder weniger), so versagt können die ja jetzt auch nicht haben. Haben viele auch nicht! Es geht nicht um ganz oder gar nicht, es geht um Feinheiten, Nuancen. Wertig bleiben bei Allem, was wir machen. Ein bisschen wie der Wunsch nach Nachhaltigkeit in unserem Konsumleben.

Attachment Parenting
Dieser Begriff (zu deutsch bindungsorientierte Elternschaft) und die Theorie dahinter fühlen sich für mich schon viel positiver an. Den Begriff an sich haben der Kinderarzt William Sears und seine Frau Martha in den 1980ern geprägt. Sie formulierten 7 Eckpunkte im elterlichen Umgang mit Säuglingen:

  • Aufnahme des Körper- und Augenkontakts zwischen Mutter und Kind sofort nach der Geburt
  • bedarfsorientiertes Stillen, statt Flaschenernährung
  • möglichst häufiges Tragen des Kindes („Babywearing“)
  • gemeinsames Schlafen („Co-Sleeping“)
  • Beachtung der Signale des Kindes, um jedem Schreien zuvorzukommen
  • Verzicht auf Schlaftraining
  • Balance der Bedürfnisse von Kind und Mutter

Mittlerweile hat sich die Theorie über das erste Lebensjahr hinaus weiter entwickelt und wurde zu einem wundervollen Konzept der bindungsorientierten bzw. bedürfnisorientierten Elternschaft. Ich mag die ursprünglichen Eckpunkte immer noch sehr, denn über konkrete Handlungsanweisungen kann man sich gut in philosophische Bereiche vorwagen.

Bindungsorientierte Elternschaft kommt für mich sehr nah an dieses Gefühl heran, dass ich vermitteln will. Ich will mit unseren Kindern in Bezug treten. Sie so sehen wie sie sind. Das Leben mit unseren Kindern (und unserem Hund) soll ein Dialog sein, kein Monolog. Gemeinsam die Welt entdecken, Wege finden und diese dann gemeinsam, Hand in Hand, gehen. Gleichberechtigt.
Außerdem umfasst es auch den Bereich, der nicht Friede, Freude, Eierkuchen ist. Es gibt immer wieder Streit, Wut, Zorn, Meinungen und Wünsche, die so weit auseinander gehen, dass manchmal kein Kompromiss sichtbar ist. Anschnallen im Auto ist Pflicht. An der Straße warten ist Pflicht. Überteuertes Spielzeug in fass-mich-einmal-an-und-ich-bin-kaputt-Qualität wird nicht gekauft. Klar ist das Kind dann wütend, aber wir tun unserem Kind nichts Gutes, wenn wir seine Wut auf uns übertragen und ebenfalls laut werden. Wut aushalten und trotzdem in Beziehung bleiben. Ist schwer. Gelingt nicht immer. Aber wenn man mal damit anfängt, wird es immer leichter.

Artgerecht

Und dann ist da noch Artgerecht. Ich liebe diesen Begriff. Das ist genau das, was ich fühle, was ich vermitteln möchte, woran ich glaube. Es legt den Fokus auf das Lebewesen und nicht auf seine Umwelt. Nicht der Mensch / das Kind / der Hund muss sich auf Teufel komm raus an seine Umwelt anpassen, sondern die Umwelt sollte so gestaltet werden, damit sich Wer-auch-immer darin wohl fühlt und frei entfalten kann. Herrliche Vorstellung. Genau mein Ding.

Und wie macht man das jetzt? Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Einfach machen. Manchmal gelingt es und es fühlt sich herrlich an. Manchmal fällt man auf die Schnauze und man hasst sich selbst dafür. Dann probiert man es beim nächsten Mal einfach noch mal.

Das hier sind meine persönlichen Gedanken dazu und unser ganz individueller, artübergreifender, und hoffentlich so oft wie möglich „artgerechter“ Weg. Und ich freue mich, wenn du mitliest, mitmachst und mitdiskutierst!

 

Herzlichst, Bianca