Kacka-Mama hat dich lieb

Kindliche Wut aushalten ist schon echt schwer…

… aber ich finde, es ist SO WICHTIG!

Gestern Abend gab es eine Situation, in der die Wirbelwindtochter echt sauer auf mich war. Wir hatten am Nachmittag zusammen Gebäck beim Bäcker besorgt -das gute, teure Zeug also- und am Abend war es plötzlich das Falsche. Und zwar das ganz Falsche. Aber es war selbst ausgesucht und gekauft, und ich wollte nichts Neues mehr aufmachen. (Ja, ja, Glaubenssätze überdenken, ich weiß. Da wird wohl bald ein neuer Blogartikel als Reminder für mich selber fällig…). Auf jeden Fall war sie stinkwütend und tobte und schimpfte wie – ja, leider muss ich zugeben, sie schimpfte wie ich, wenn mir was gehörig gegen den Strich geht. (Sehr geehrter Herr im Einkaufszentrum, den ich kürzlich wegen seiner absolut groben und dämlichen Halsbandzieherei bei seinem Hund in eine Diskussion verwickelt haben: tut mir leid, dass ich „Eier“ und „treten“ gesagt habe. Die Wortwahl hätte gewaltfreier sein können. Meine Meinung bleibt aber trotzdem richtig).

Während die Tochter also tobte und mich als doofe Mama, blöde Mama und Kacka-Mama beschimpfte, fiel mir mal wieder auf, wie schwer es eigentlich ist, wenn Wutauslöser und Tröster ein und die selbe Person sind. Wenn mich mein Chef gehörig nervt und ich mich ungerecht behandelt fühle, dann kann ich mich bei meinem Mann auskotzen. Und das ist nötig, die Wut, der Ärger, all diese Gefühle sind viel zu stark, als dass es gesund wäre, sie runterzuschlucken. Meine Tochter hatte diese 2te Person nicht. Aber auch sie hatte diese starken Gefühle, die raus müssen. Also lasse ich es zu. Ich lasse sie wüten, ich lasse sie schimpfen. Sie darf explodieren bis alles raus ist, was raus MUSS. Währenddessen bleibe ich in der Nähe und versuchte, ihrer Wut Worte zu geben. Ich lasse mir nicht „auf der Nase herumtanzen“, wie das Außenstehende mal hin und wieder meinen. Ich bin bloß nicht selbst auch ein „bockiges Kind“ sondern eben der Erwachsene, der die Situation differenzieren kann: „Ich weiß, dass du sauer bist. Das wäre ich an deiner Stelle auch. Ist in Ordnung, wenn du DIE SITUATION blöd findest. Ich ALS PERSON hab dich trotzdem lieb. Und wenn es sein muss, dann doppelt.“ (Mein Mann stellte mir übrigens mit einem wissenden Lächelnd ein zuckerhaltiges Getränk in den Kühlschrank mit den Worten, „das wirst du später brauchen“. Danke dir, mein Schatz!)

Irgendwann war der übermächtige Groll verflogen und wir konnten reden. Sie fand die SITUATION zwar immer noch blöd, aber wir beide als PERSONEN konnten trotzdem liebevoll im Bett bei der Gute-Nacht-Geschichte kuscheln.

Wieso erzähle ich das? Weil ich es so wichtig finde, dass gerade Kinder lernen dürfen, dass alle Gefühle ihren Platz haben. Dass alle Gefühle genannt werden dürfen. Und dass man streiten kann ohne Angst haben zu müssen, dass der Gegenüber mit Liebesentzug reagiert. Egal, ob man auf andere Personen oder Situationen wütend ist, oder auf die Personen, die dafür da sind, dass man Kind immer wieder aufgefangen und aufgebaut wird.

Gestern hat es geklappt und ganz ehrlich: es fühlte sich richtig an. Da war kein schlechtes Gefühl im Magen. Das kaltgestellte Getränk hab ich danach trotzdem geext!

Herzlichst, Bianca