Ich bin bei dir, die ganze Nacht

Wie unsere Wirbelwindtochter nach fast drei Jahren wieder ins Familienbett zog

Ich liege im Schlafzimmer und stille den Babysohn in den Schlaf. Im Anbaubett lümmelt meine Wirbelwindtochter und schaut leise fern. Normalerweise gehört das Einschlafstillen nur dem Babysohn und mir, während die Wirbelwindtochter und der Papa malen, spielen, toben oder das Haus zerlegen. Aber heute ist es anders, denn der Papa ist bei einem Freund. Also haben wir es uns alle zusammen gemütlich gemacht und der Sohn kann entspannt in den Schlaf begleitet werden. An solchen Tagen und für solche Situationen nehme ich den Luxus eines immer verfügbaren Fernsehers mit entsprechender Auswahl an Kindersendungen gerne und dankend an.
Wie also das bunte Licht über das Gesicht meiner Tochter flimmert und der Atem des Sohnes flacher und regelmäßiger wird, denke ich an unsere Anfangszeit als vierköpfige Familie zurück.

Natürlich war sie schön, aber sie war auch eins: MÜDE. Und zwar nicht, weil wir so einen Blödsinn wie ein eigenes Bett für das Baby ausprobiert hätten – das haben wir bei unserer Wirbelwindtochter genau zwei Nächte versucht und den Gedanken daran dann schnell verworfen und die Situation „Familienbett“ mit offenen Armen empfangen. Sondern weil irgendwie der Wurm zwischen Tochter-Rhythmus und Sohn-Rhythmus drin war. Der Babysohn wurde von Anfang an pünktlich um 19 Uhr müde. Also ab ins Familienbett mit ihm und in den Schlaf gestillt. Dann aber fing der Abend an, sich zu ziehen. Denn, die Wirbelwindtochter ist da ganz anders. Sie wird nicht vor 21 Uhr und meist erst gegen 22 Uhr müde. Das hieß für uns Eltern: Mama ab 19 Uhr breastsleeping (ich liebe diesen Begriff) mit dem Babysohn und der Papa Spielzeit mit der Wirbelwindtochter. Dann zwischen 21 und 22 Uhr Rollen tauschen und Mama mit der Wirbelwindtochter ins Bett zur Einschlafbegleitung. Leider fing diese an, sich zu ziehen. Zum Schluss pendelte sich diese so um die 90 Minuten ein, oft länger. Da aber der Babysohn in dieser Zeit mit dem Papa im Bett war, der aber leider nur in 50% der Fälle den Kleinen beim Aufwachen abfangen konnte, lag ich mit gespannten Nerven bei meiner Tochter im Bett und hoffte nur noch, sie möge endlich einschlafen. Tja, aber mit dem Schlaf (vor allem dem Kinderschlaf) ist es leider so: ohne sicheren Halt und ohne das wohlige Gefühl geliebt und geborgen zu sein, kommt der Schlaf einfach nicht. Und eine Mama, die anstatt entspannt bei einem zu liegen innerlich die Minuten zählt, ist einschlafen halt nicht drin. Meist schrie dann zwischenzeitlich noch der Babysohn und wollte wieder gestillt werden, die Tochter musste warten und wurde wieder wach, und als dann endlich alle schliefen kam die Wirbelwindtochter in ihre magische Phase und schreckte nachts des Öfteren weinen aus ihren Träumen auf. Irgendwann war ich nur noch zwischen Schlaf- und Kinderzimmer unterwegs und ich hätte alles getan für mindestens drei Stunden Schlaf am Stück.
Irgendwann kam mir der Gedanke eines „Familiebettes reloaded“. Aber ich schwankte von einem zweiten großen Bett im Kinderzimmer für mich und die Kinder oder einer Betterweiterung im Schlafzimmer. Hin und her gerissen wägte ich das Pro und Contra ab. Was würde mein Mann sagen wenn er plötzlich alleine wäre und wir uns gar nicht mehr sehen würden, bzw. was würde mein Mann sagen, wenn plötzlich noch mal einer mehr im Bett wäre.

Nach vier Hin-und-Her-Hetz-Nächten weihte ich meinen Mann dann endlich ein und schilderte ihm vorsichtig meinen Plan. Und wie mein Mann so ist – wunderbar und mit wenigen Worten – entschied er sich einen Tag frei zu nehmen um zum Möbelschweden zu fahren und ein Kinderbett als Betterweiterung zu kaufen. Am Abend konnten wir das neue Familienbett einweihen. Und ich kann euch sagen, die Nächte sind herrlich ruhig! Natürlich sind wir oft noch am Dauerstillen und manchmal singt sich die Wirbelwindtochter lauthals in den Schlaf und den Babysohn aus dem Schlaf – aber hey, es heißt ja „Familienbett“. Und Familien sind manchmal chaotisch und machbar hat jemand Alpträume, aber jetzt reicht Händchenhalten und Köpfchen streicheln, und alle schlafen wieder. Auch ich. Und zwar ohne ein Ohr immer im anderen Zimmer zu haben und ohne mich wachhalten zu müssen, weil ich gleich wieder Bett und Zimmer wechseln muss.

Wann die Wirbelwindtochter wieder in ihr Kinderzimmer zieht? Keine Ahnung, das wird sie schon wieder. Aber bis es soweit ist genieße ich es, nachts kurz vor dem Einschlafen den Atemgeräuschen meiner Familie zu lauschen. Das leise sanfte Atmen des Babysohns, dem leisen Schnarchen der Wirbelwindtochter dass sich herrlich komisch mit dem Schnarchen unseres Wuschelhundes arrangiert und ab und an sind mein Mann und ich sogar noch wach genug, um leise über den Tag zu sprechen oder kurz den Fernseher anzuschalten. Denn auch da: den Luxus eines Fernsehers im Schlafzimmer gönne ich auch manchmal mir.

 

Herzlichst, eure Bianca